Die Feuerwehr Lechenich, gegr. 1891

Der hl. St. Florian, Schutzpatron der Feuerwehren

Die Chroniken vieler Dörfer und Städte weisen nach, dass noch im 18. Jahrhundert halbe, ja sogar ganze Ansiedlungen und Menschen den Bränden zum Opfer vielen. Dieses konnte nur geschehen, weil kein geeignetes Feuerlöschgerät zur Stelle war und kein Mensch da war, der dieses hätte vielleicht bedienen können. Des weiteren begünstigte die damalige Bauweise aus Lehm und Fachwerk die Entstehung und die Ausbreitung eines Brandes erheblich.

Zur Brandbekämpfung waren lediglich Eimer, Hacken und Leitern vorhanden. In vielen Dörfern war sogar mit einem Zuzug in die Ansiedlung die Verpflichtung verbunden, einen Ledereimer oder Ähnliches mitzubringen.

Erst um 1820 hörte man zum ersten Mal von organisierten, örtlich gebundene Löscheinheiten.

Die Initiative eine eigene Löscheinheit in Lechenich zu gründen, hatte im Jahre 1891 der damalige Bürgermeister Franz Busbach.

Einige noch bekannte Gründungsmitglieder waren:
Kaspar Kerp, Friedel Münch, Theo Vonnemann, Mark Ganser, Ferdinand Bungarz, Peter Plien, Louis Backhausen, Gottfried Popp, Everhard Popp, Andreas Zimmermann, Theo Elsen, Heinz Zimmermann, Peter Schäfer, Georg Kerp, Hein Simon.

Diese Gründungsmitglieder der ersten Feuerwehr in Lechenich machten es sich zur Aufgabe, ihren Mitbürgern in Feuergefahr stets in selbstloser Weise hilfreich beizustehen. Nicht für klingenden Lohn wollten sie helfen, sondern in erster Linie zur Ehre Gottes. So entstand dann auch der Ausruf:

„Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ Fahne der Löschgruppe Lechenich

Am Anfang der neugründeten Feuerwehr war nichts vorhanden, weder Gerät, Raum noch Kleidung. Alles musste erst einmal erarbeitet werden. Die Stadt, in deren Händen die Verwaltung der Feuerwehr lag, musste nun zu all Ihren Lasten auch noch die Ausrüstung der Löscheinheit bezahlen. Damals wie heute war die Finanzlage der Stadt keine günstige und so mag es damals um jeden Meter Schlauch ein harter Kampf gewesen sein. Um so mehr hebt sich die Leistung und das Engagement des Gruppenführers Ferdinand Bungarz hervor, der es dennoch durchsetzte die Löscheinheit in verhältnismäßig kurzer Zeit, voll einsatzfähig und leistungsstark zu machen. Sicher waren noch lange nicht alle Ziele und Wünsche erreicht. Zeitnah wurde die Einrichtung eines Gerätehauses notwendig. Dieses Problem wurde durch die Bereitstellung eines im Schlosswall gelegenen Schuppens gelöst.

Der Steigeturm, Übungsobjekt um 1900

Nach dem die Frage der Unterkunft geklärt war, fehlte es immer noch an einem geeigneten Übungsobjekt. Der Wunsch nach einem Steigeturm wurde immer größer. Nach dem eine Firma gefunden wurde die diesen Steigeturm errichten sollte und ihn dann baute wurde dieser mit einer Monatsrate von damals 150 Reichsmark abbezahlt. Eine Hälfte trug die Stadt, die andere Hälfte die Vereinskasse der Kameraden. Der Steigeturm wurde dann Anfang 1894 auf dem stadteigenen Schützenplatz errichtet. So konnten für damalige Verhältnisse die Kameraden der Löscheinheit in allen Griffen und Tätigkeiten des Ernstfalles ausgebildet werden. Dem Steigeturm folgte ein Wasserzubringer, der die Feuerwehr wieder ein großes Stück leistungsfähiger machte.

Regelmäßig, einmal im Monat, traf sich nun die Wehr um sich mit allen Geräten und dessen Handhabung vertraut zu machen. Sonntags morgen trafen sie sich zum Übungsdienst. Bei ungünstigen Wetterverhältnissen wurden Reinigungsdienste und Schulungen durchgeführt.

Die Schnelligkeit und Leistungsfähigkeit der Wehr wurde im Jahre 1895 unter Beweis gestellt als ein Brand die Kameraden forderte, die bereits sieben Minuten nach der Alarmierung abfahrbereit waren. Wenn man bedenkt das die Alarmierung damals mittels Nebelhörnern von Straße zu Straße weitergegeben wurde, so ist eine Ausrückzeit von damals sieben Minuten eine starke Leistung.

Das alte Feuerwehrhaus an der Herrigerstraße, erbaut 1894

Im Laufe der Zeit zeigte es sich das dass derzeitige Feuerwehrhaus nicht mehr ausreichend Platz bot und der Wunsch nach einem Neubau kam hervor. Ein neues Gerätehaus wurde 1894 an der Herriger Straße bezogen.

Die Feuerwehr Lechenich waren damals auch über Ihre Heimatstadt hinaus für den Brandschutz in den Dörfern Ahrem, Blessem, Herrig und Konradsheim zu ständig. Am 23 Januar 1901 wurde für das Dorf Konradsheim ein eigene Löscheinheit unter der Führung der Feuerwehr Lechenich gegründet.

Aus den Reihen der Feuerwehr Lechenich kam der Vorschlag einen Kreisfeuerwehr-Verband zu gründen, dieser Vorschlag wurde am 23 Juni 1901 umgesetzt.

Vor ganz neuen Aufgaben wurde die Wehr gestellt als im November 1902 die Wasserleitung in Betrieb genommen wurde. Jetzt konnte die Wehr bei Bränden schneller und noch effektiver Hilfe leisten. Man war nicht mehr auf Wasserläufe und Wasservorräte angewiesen. Aber diese Erneuerung brachte den Wehrmännern auch neue Arbeit, alle mussten sich mit der Lage der Hydranten und der Bedienung vertraut machen. Später zeigte sich das dass vorhandene Schlauchmaterial aus Hanf dem hohen Druck des Wassernetzes nicht stand hielten. Neue gummierte Schläuche mussten her.

In der Zeit des ersten Weltkrieges fehlen jegliche Aufzeichnungen über die Lechenicher Wehr. Erst am 18 April 1920 fanden sich die Kameraden wieder zusammen. Es zeigte sich, dass die Überlebenden des Krieges nichts an Ihrem Engagement und ihrer Begeisterung für diese ehrenamtliche Aufgabe eingebüßt hatten. Vor Ausbruch des Krieges war die Wehr 64 Mann stark. Bei der ersten Nachkriegs Versammlung nahmen 23 Mann teil und es dauerte wieder eine ganze Weile bis das die Wehr wieder Ihre Leistungsfähigkeit hatte.

Die Feuerwehr bei einem Hochwasser-Einsatz im Jahre 1907 am alten Güterbahnhof in Lechenich, in der Herriger Straße

Durch den Umzug des Oberbrandmeister Pütz war die Feuerwehr zum zweiten Mal ohne Führung. Erst am 5 Februar 1928 übernahm Josef Gierlich die Führung der Feuerwehr Lechenich. Aus gesundheitlichen Gründen musste er sein Amt im Jahre 1934 nieder legen. Zu diesem Zeitpunkt war in der Organisation des Feuerlöschwesens eine Änderung eingetreten. Lechenich stellte für seinen Amtsbezirk den Amtswehrführer und beauftragte mit diesem Amt Otto Siemer. Die Leitung der Lechenicher Wehr übernahm Brandmeister Johann Rhiem. Der neue Amtswehrführer Siemer war ein Fachmann für Motoren. Er machte es sich zum Ziel die Feuerwehr dem Zeitalter entsprechend zu motorisieren. Dank seines rastlosen Einsatzes konnte schon bald eine Motorkraftspritze beschafft werden. Alle Kameraden waren bestrebt die Hönig Motorspritze sowie die beiden fast zeitgleich neu beschafften Fahrzeuge in einem einwandfreien technischen Zustand zu halten. Ein ausrangierter Reiswagen wurde unter der Anleitung des Amtswehrführers Siemes durch die Kameraden Mörs und dem Gerätewart M. Badorf für Feuerwehrzwecke umgebaut. Die Mittel dazu stammten aus Spenden von Lechenicher Kaufleuten, nicht wie man meinen sollte aus städtischen Mitteln.

Die Feuerwehr bei einer Luftschutz-Übung im Zweiten Weltkrieg auf dem Markt in Lechenich.

Unter größter Lebensgefahr taten die alten sowie die jungen Kameraden alles nur denkbar mögliche, um wenigstens die größten Schäden zu beheben und die Ausbreitung von Bränden zu verhindern. Darüber hinaus leistete die Feuerwehr Lechenich ortsübergreifende Hilfe bei Bränden in Euskirchen, Friesheim, Erp und Blessem. Nie vergessen sind die übermenschlichen Anstrengungen die damals umgesetzt wurden um das Hab und Gut, das Leib des Nächsten zu schützen. Nicht nur durch den Verlust etlicher Wehrmänner, sondern auch durch den Verlust von Einrichtung und Gegenständen wurde die Wehr in Ihrer Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt. Aus unverständlichen Gründen die zum Teil nur mit Unkenntnis zu entschuldigen sind, wurde der Motor der Kraftspritze, sämtliches Schlauchmaterial, alle Uniformen und viele andere unentbehrliche Gegenstände entfernt und vernichtet. Darunter auch alle schriftlichen Unterlagen die das Feuerlöschwesen bis zum diesem Zeitpunkt betraf. Der Fahrzeugpark der Feuerwehr aus Lechenich war schon anfangs zerstört worden.

Gruppenfoto aus den 1990er Jahren vor dem historischen Rathaus.

So stand die Feuerwehr innerhalb kurzer Zeit dort, wo sie 1891 begonnen hatten. Nach dem Krieg baute man unter der Führung von Johann Rhiem die Lechenicher Feuerwehr wieder langsam auf . Zunächst wurde eine gebrauchte Motor-Kraftspritze in Betrieb genommen. Ein Sanitätswagen der von der Stadt beschafft wurde, wurde in Eigenarbeit feuerwehrgerecht umbebaut und für den Krankentransport wurde ein zu damaliger Zeit moderner Krankenwagen beschafft.

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